Falk Ritter am 1. Nov. 2010:
Hallo Herr Tams,ich arbeite zur Zeit an der Geschichte des amerikanischen Kinderheims im Schleswiger Plessenhof.
Dort wurden in den 20er Jahren unterernährte Kinder aus ganz Schleswig-Holstein aufgepäppelt.
Finanziert wurde dies durch Spenden Schleswig-Holstein-stämmiger Amerikaner.Ich suche dazu alte Bilder von den Nebengebäuden des Plessenhofs, wo u. a. auch Kühe untergebracht waren, die die Milch lieferten.
Vielleicht auch Bilder von Kindern und Pflegekräften?Anbei der Briefkopf des Kinderheims.
Admin: Aber gerne doch, Falk Ritter! Vielleicht finden Leserinnen und Leser des “Klassentreffens” auf den sprichwörtlichen “Dachböden” oder in den ebensolchen “Schuhkartons” noch alte Bilder vom Plessenhof aus der Zeit des Kinderheims.
(Die Kinder werden hoffentlich nicht unter einem Haufen Briketts verschüttet – aber in diesem Eintrag hat sich im Laufe der Zeit so ziemlich alles zum “Plessenhof” versammelt…
)
Susanne Römer:
Moin Gerd!Du bist gerade beim Thema Kinderheim Plessenhof.
Ich habe gerade bei dir in einer Datei Jan Lorenz Fischer gefunden. Interessant für mich ist, dass er in der Süderholmstr. 54 wohnt.
Meine Frage wäre: hat er eine Mutter, Tante, Schwester oder so, die Grete hieß? Meine Hebamme hieß Grete..
Da sie in den Baracken neben dem Plessenhof Kinder zu Welt holte, müsste eventuell Material bei Jan Lorenz zu finden sein.
Mich würde brennend ein Foto von Grete Fischer interessieren. Sie soll 1958 schon älter gewesen sein.
Admin: Dieses Foto habe ich in dem Buch von Ulrich Mack, “Der Holm – ein Familienalbum” gefunden. Das Foto ist 1993 gemacht worden. Vielleicht hat diese “Grete” dir auf die Welt geholfen…Meinst du, da lässt sich etwas machen? An wen könnte ich mich wenden? Lebt Jan Lorenz Fischer noch?
Admin: Susanne, ich bin mal gespannt, ob es klappt!
Hier beginnt der alte Eintrag mit Briketts – Eiform – Koks:
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“Wir” kennen natürlich alle noch den Kohlenhändler mit seinem altertümlichen Büro.
Dort bestellte man Briketts, Eiform und Koks und bekam einen Quittungszettel, der bei allen Kohlenhändlern gleich aussah (vor einiger Zeit habe ich noch einen in den Fingern gehabt, aber wo ist er nun? :’().
Einen Tag später wurden die Kohlen von geschwärzten Männern in Säcken vom Pferdewagen in den Kohlenkeller geschleppt und mit viel Gepolter ausgeschüttet. Die Briketts wurden dann von uns Kindern kunstvoll aufgeschichtet…
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Von der großen Firma H. C. Horn am Hafen, Hafenstr. 12 (Foto oben links), haben wir unsere Kohlen natürlich nicht bezogen. Unser Kohlenhändler war am Stadtfeld.
Trotzdem finde ich es reizvoll, vielleicht mal Fotos und Fakten von dieser Firma hier zu sammeln, die ja eher als Reederei bekannt geworden ist.
Auf der Postkarte (links oben) sehen wir die Frida Horn im Hafen und auf der anderen Seite den Parten-Brief Nr. 127 ![]()
“über einen 1/160 Antheil im stählernen Schrauben-Dampfschiffe Helene Horn“.
Die “Frida” hat (links) mit Volldampf in Richtung Kappeln abgelegt. Zurück bleiben (rechts) die Holmer Jungs. Hach, war der Hafen damals noch schön schmuddelig :p
Diese Postkarte schreibt jemand, der “morgen” mit “General-Consul Horn” eine “Konferenz” haben wird…
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Was sollen denn diese Fotos nun hier, fragt sich (wahrscheinlich) der geneigte Leser?
Es folgt die hochkomprimierte Chronik der Horn-Linie:
Die hochkomprimierte Chronik der Horn-Linie:
Kommerzienrat und Konsul Horn stellt erst Zündhölzer her und handelt dann mit Kohlen. Dann kauft er Schiffe und fährt damit auf der Schlei und anderswo herum. Die Schleischifffahrt endet schon mit dem 1. Weltkrieg. Die Reederei geht 1969 in Konkurs. Kommerzienrat Horn kaufte 1904 den Plessenhof, der 1921 ein amerikanisches Kinderheim wird.
Das vorletzte Foto zeigt das Kontorhaus H. C. Horn in der Hafenstraße 12. Im Adressbuch von 1869 steht: “Handlung von Steinkohlen und Cokes, Holzkohlen und feuerfesten Mauersteinen en gros und en detail”. Ab 1879 “übernahm” H. C. Horn die gesamte Schleischiffahrt (letztes Foto).
So! Das ist jetzt die Erklärung für das Haus- und das Zimmerfoto! ![]()

Kinderspielraum des Amerikanischen Kinderheims Schleswig-Holstein in Schleswig - Landesanstalt der Deutsch-Amerikaner für Schleswig-Holstein (Text auf der Rückseite der Postkarte)
Jörn Hasse: Die Bilder vom Amerikanischen Kinderheim sind deshalb in meinem Besitz, weil ein Teil meiner Familie damals nach Amerika ausgewandert ist. Diesen reichen Onkel aus Amerika gab es in meiner Familie tatsächlich. Als Amerika in den Krieg eintrat und die ersten amerikanischen Bomben Kiel zerstörten, schrieb meine Großmutter einen bösen Brief an die Verwandtschaft in Amerika. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und so stand in dem Brief: “selber Schuld dass ihr so einen Idioten wie Hitler gewählt habt”. Meine Großmutter hatte sich sehr darüber aufgeregt, so erzählte mein Vater.
(Bei Theo Christiansen steht so einiges über H.C. Horn und die Horn-Linie und es gibt auch eine archivierte Chronik der Horn-Reederei – und, wie immer – auch das Internet bietet etwas…)
Wolfgang Kather: Interessant ist auf dem Foto oben der am linken Bildrand sich befindende Traktor. Es scheint ein Lanz Bulldog zu sein. Ich weiß von einem Arbeitskollegen, der bei meiner Lehrfirma Barkow als Monteur gearbeitet hat (mit dem ich mich auf Anhieb so gut verstanden habe, daß die Kollegen meinten wir würden uns schon lange kennen), daß er eine zeitlang bei einem Schleswiger Kohlenhandel Kohlen mit einem Lanz Bulldog ausgefahren hat, er hatte zwei Anhänger hinter dem Schlepper.
Er durfte mit seinem Schlepperzug z.B. nicht durch den Kornmarkt/Mönchenbrückstr. fahren, da durch die Erschütterungen des Einzylinders nicht nur das Geschirr in den Schränken der Anwohner klingelte, sondern seine Firma Angst hatte, daß es zu Schäden kommen könnte. Der Schlepperzug war, so glaube ich aus meiner Erinnerung, rot. Ich weiß nicht mehr welche Firma es war, aber es wäre für mich denkbar, daß es die Fa. Horn war.
Norbert Neidebock: Es müßte ein Lanz-Eil-Bulldog gewesen sein, zur damaligen Zeit kein seltener Anblick. Da ich neben Bauer Reimer groß geworden bin, dort meinen ersten Trecker (Deutz ca. 21PS) gefahren habe, bin ich noch heute mehr an Treckern interessiert, als an Superautos, Formel 1 o.ä.! Beim Bauern kam 2-3mal im Jahr ein normaler Bulldog mit Dreschmaschine oder Buschhacker. Es war für uns Gören immer ein besonderes Erlebnis den Startvorgang zu beobachten.
Sönke Hansen: Wie es der Zufall so will, hat auch der Papa von der Frau Lorenzen – über deren Lebensmittelgeschäft ich in “meiner” Schleihalle berichte – bei Horn Kohlen geschippt.
Das war der Herr Willy Raup, auch bekannt als der “Lütte Willy” – er war eben nur ein “laufender Meter”
Ich kann mich noch an ihn erinnern, ein kleiner, sehr netter Mann. Verstorben ist er im Jahr 2001. Der Lütte Willy ist der Mann, der auf dem linken Bild gerade beim Kohlenschaufeln ist.
Eine Email von Sönke zur Diskussion zum Thema “Wo wurde Susanne Römer geboren” in den Kommentaren:
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Anbei noch zwei Bilder, einmal Fotos Plessenhof und ein Lageplan vom September 1963.Leider habe ich nichts über das Entbindungsheim im Buch von Jenner “100 Jahre Krankenhaus Schleswig” gefunden. Aber er beschreibt ausführlich, wie verworren die Krankenhaussituation in Schleswig vor und nach dem 2. WK war. Die Stationen waren ja nahezu über das ganze Stadtgebiet verteilt. Darum wurde ein Neubau notwendig, der alle Abteilungen unter einem Dach vereint.
In dem Buch “Schleswig und die Schleswiger 1945-1962″ heißt es auf Seite 105 : “..das Entbindungsheim war in den Anbau des Plessenhofes umgezogen ” (Juni 1954).
Update: In der Schrift “Heinrich Christian Horn 1864 – 1964” (entliehen aus der Landesbibliothek) finden sich die folgenden vier Sätze, die ich Euch (insbesondere Norbert) nicht vorenthalten möchte:
Aber Handelsverkehr über Schleimünde hinaus war nur wenig. Man braucht ja bloß einmal Schleswiger Hafenberichte aus jener Zeit anzusehen: Jachten und Schoner bringen Kalksteine und Holz. Eine Schnigge bringt Petroleum.
Nur hier und das zeigen sich zwischen Jachten, Schonern und Schniggen, zwischen Galeassen und Decksbooten, zwischen Schaluppen, Prähmen und Ewern ein paar kleine Dampfer mit Kohlen für Horn oder für die Gasanstalt.
Noch etwas Schleswig betreffendes aus der Schrift:
Den Verwundeten, den Schwestern und Sanitätern der Schleswiger Lazarette stellte Henry Horn in den Sommermonaten etwa wöchentlich einmal die “Valparaiso” für Ausflüge zur Verfügung. Es findet sich im Firmenarchiv ein mit sechzig Unterschriften versehenes Aquarell des Leuchtturms von Schleimünde. Dies Blatt, das Henry Horn zur Erinnerung an eine Ausflugsfahrt nach Schleimünde am 22. Juli 1915 von den Lazarettabteilungen “Stadttheater” und “Marthahaus” überreicht worden ist, macht deutlich, wieviel Dank Henry Horn für diese schönen Stunden der Abwechslung erntete.
Und noch etwas:
Am 1. April 1921 verlegte Heinrich Christian (Henry) Horn den Sitz der Firma H. C. Horn von Schleswig nach Flensburg. … Die Schleischiffahrt war vor langer Zeit aufgegeben. Der Kohlenhandel blieb in den bewährten Händen Christian Hansens und ging bald auf ihn über. … Noch heute [Admin: also 1964] leitet Konsul Hansen der bereits vor 70 Jahren , 1894, beim Firmengründer als Lehrling anfing und jetzt 86 Jahre alt ist, im Stammhaus Hafenstraße 12 in Schleswig die Kohlenfirma, deren Name jetzt H. C. Horn & Co. ist. Konsul Hansen hat ihren Ruf gewahrt, er hat das Stammhaus in seiner äußeren Gestalt fast unverändert gelassen.

Abschließend noch einmal die “Villa Horn” in etwas schönerer Ausführung…
Ansichten: 491 Strassen: Plessenhof, Plessenstraße Schlei: Hafen, Schleswig


