
Aus der Überschrift “Paddeln” habe ich “Bagger “Loki”" gemacht. Klingt interessanter – finde ich.
Grund ist die kleine plattdeutsche Geschichte von Hermann Clausen, deren Titel oben abgebildet ist.
Vielleicht ist ja das “schwimmende Ding”, das auf diesem Foto (o.li.) auszumachen ist, unser Bagger “Loki”. “Loki” ist jedenfalls “Schuld” daran, dass die Segler ihr Bootshaus an den Königswiesen wegen Versandung aufgeben mussten. Statt dessen bauten sie ein neues Bootshaus neben dem Luisenbad (li). 
Hermann Clausen schreibt:
Schleswig hett en Bootshus kregen, dat sick sehen laten kann. De Bagger “Loki” is lang weg un wöhlt nu annerswo in de Sand rum. So is denn doch sin Arbeit in Schleswig to’n Segen för de Seglers worn.
Hier ist die ganze Geschichte…










Und nun geht es mit dem alten Text weiter…
Das schöne Foto links zeigt die Bucht vor den Königswiesen in der wilhelminischen Zeit. Vor der “Strandhalle” steht ein windschiefer Schuppen, auf dem Wasser wuseln Boote und auch sonst wirkt das Gelände etwas abenteuerlich. Nicht alle Gebilde lassen sich identifizieren.
Später (1940) nannten sich die Anlagen bei der Standhalle “Paddelbootshafen”. Dieser “Hafen” hatte aber nichts mit dem ersten Bootshaus und Bootshafen des Segelclubs “Ahoi” zu tun…
Von der Seite des Segelclubs Ahoi entnehme ich die folgenden Textausschnitte:
…Da die mangelhafte Unterbringung und vor allem der schwierige Transport der Boote ins Winterlager und zurück auf Dauer unbefriedigend war, gründeten 22 Mitglieder der Wassersportabteilung 1931 die Bootshausgemeinschaft Ahoi. Es wurde umgehend der Bau eines Bootshafens und eines Bootshauses auf einem städtischem Pachtgrundstück in den Königswiesen beschlossen…
…Aber schon nach kurzer Zeit traf den SC “Ahoi„” ein neuer Schicksalsschlag: 1935 wurde die Militäranlage auf der Freiheit, Schleswigs damaliges Naherholungsgebiet, gebaut. Als Ersatz wurde auf den Königswiesen ein neuer Badestrand auf – und der Hafen der “Ahoier” dabei dichtgespült. Die mit viel Idealismus, Mühe und Arbeit erbaute Anlage war als Bootshafen nicht mehr zu gebrauchen und so stand man 1935 erneut vor der Frage, noch einmal ein Bootshaus zu bauen – jetzt aber mit der Angst vor einer ungewissen Zukunft im Nacken…
…In zähen Verhandlungen, die bei den damaligen Machtzuständen besonders schwierig waren, wurde von der Stadt Schleswig ein Ersatzgrundstück am Luisenbad angeboten. Die Stadt erklärte sich außerdem bereit, das Bootshaus in den Königswiesen für 7500 RM, 25 cbm Schlacke und 50 cbm Kies zu übernehmen…
Das Bootshaus der “Ahoier” war also nicht (wie von mir irrtümlich angenommen) bei der Strandhalle, sondern der Schuppen, der am Ende des Freibadestrandes auf dem Foto oben zu sehen ist (wenn das falsch sein sollte, wäre es nett, das “Klassentreffen” darauf hinzuweisen
)
(Auf dieser Karte von Sönke Hansen ist das alte Bootshaus rechts neben dem Freibadestrand noch sehr schön zu sehen. Achtung! Google-Maps!)
Hier noch eine andere Quelle:
In Heft 35 der Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte findet sich ein Text von Horst-Detlef Henkel, aus dem ich Teile entnommen habe. Die Texte bringen uns die “Geschichte” des Paddelboothafens Bootshauses etwas näher:
Trotz schwierigster wirtschaftlicher Bedingungen entwickelte die Arbeiterbewegung in Schleswig eine Vielzahl von neuen Vereinen…
So entstand 1919 die “Freie Turnerschaft Schleswig”…
Die Wassersportabteilung des F.T.S. wurde 1927 gegründet…
Mit dem immer weiter wachsenden Bootsbestand wuchsen auch die Probleme der Unterbringung und der Wunsch nach einem eigenen Bootsliegeplatz und Winterlager. Eine kleine Bucht bei den Königswiesen schien der geeignete Platz zu sein, da die Bucht vor zu starkem Wellengang geschützt war … Am 26. Juni 1931 wurde der Pachtvertrag [mit der Stadt Schleswig] abgeschlossen und sofort begannen die Arbeiten. Als erstes wurde ein Bauschuppen errichtet und im Sommer eine Bootsbrücke fertiggestellt. Im Oktober erfolgte die Grundsteinlegung des Bootshauses.
Im Frühjahr des folgenden Jahres wurde die Arbeit an dem Bootshaus wieder aufgenommen. Die Wassersportler steckten ihre Freizeit in den Bau, und besonders die erwerbslosen Arbeiter in der F.T.S. stellten sich für die gemeinsame Sache zur Verfügung. Am 8. Juli 1932 wurde das Bootshaus gerichtet. Das Bootshaus war “…das erste clubeigene Bootshaus an der Schlei und eines der ersten Bootshäuser im norddeutschen Raum überhaupt.”
Das in freiwilliger Gemeinschaftsarbeit errichtete Bootshaus wurde zum “Mittelpunkt des Vereinslebens”, zum “Symbol der Kameradschaft”, die die Arbeitersportler zu einer “festen Gemeinschaft” zusammenschmiedete.
Die “Schleswiger Nachrichten” berichteten am 22. April 1933: “In einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung der Freien Turnerschaft wurde die Auflösung derselben beschlossen.”
Einen Tag später, am 22. April 1933, fand die Neugründung eines Segel-Clubs in der “Strandhalle” statt. Der Verein gab sich den Namen Segel-Club “Ahoi” Schleswig. “…Als Clublokal wurde die Strandhalle gewählt … Der neue Verein benutzt das am Wiesendamm gelegene Boothaus der aufgelösten “Freien Turnerschaft”.
Der nationalsozialistische Bürgermeister, der selbst segelte, soll zu zwei SA-Leuten, die das Bootshaus beschlagnahmen wollten, gesagt haben:
“Finger weg von dat Bootshus, dat is met veel Idealismus but worn, dat behollen de ‘Ahoilüt’.”
Der Bürgermeister wird wohl Dr. Adolf Herting gewesen sein. Falk Ritter schreibt hier:
…1931 brachte die Volkszeitung folgenden Bericht: “Wir erinnern uns, daß anläßlich der Schleiwoche Nationalsozialisten mit dem Jollenkreuzer Dr. Hertings zu nächtlicher Stunde die Schlei befuhren und die Seezeichen mit Hakenkreuzplakaten beklebten, ein Vorgang, den die ,Schleswiger Nachrichten´ schamhaft verschwieg…
Lutz Clausen: Meine “Sturm- und Drangzeit” hatte ich im Luisenbad – dem sogenannten “Kostebad”; Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre zu Zeiten von Ottsch Siemers und seinem Stellvertreter Stutzke.
Zwischen Luisenbad und Dom befand sich an den Königswiesen ein grüner Bootsschuppen – war das der Schuppen der Paddler?
Torsten Hansen: An die Holzbuden zwischen Bahngleis und Strandhalle kann ich mich noch entsinnen, aber nicht an irgendwelche Paddler – war das nicht eher ein heimlicher Raucher-Treffpunkt der Domschüler in der großen Pause ??
Der grüne Schuppen, den Lutz erwähnt, gehörte zum Bereich des “Freibades”, aber da waren keine Paddler drin.
Gerd Tams: Nee, Nee Torsten! Ich habe meinen Klepper T8 eine Sommer-Saison lang noch in dem Schuppen unterstellen dürfen (ca. 1962)!
Nochmal ich: Aber was war in dem Schuppen am Strand? Oder bleibt es ein ewiges Geheimnis? |-|
Das wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben; so wie damals für uns Kinder in den 50/60-ern das sumpfige Gelände der Königswiesen zwischen Luisenbad und Dom geheimnisumwittert war …
Update Gerd Tams: Ich denke mal, dass der Schuppen das ehemalige Bootshaus des Segelclubs “Ahoi” war, das von der Stadt Schleswig 1935 übernommen wurde (s.o.)
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