Schleifahrt von Kappeln nach Schleswig


Achim Gutzeit: Hallo Gerd,
nachdem du mir so freundlich beim Aufbau meiner Kappeln-(Schul-)Webseite auf die Sprünge hilfst, schicke ich Dir mal einen kleinen Beitrag zum obigen Thema, den ich beim Stöbern gefunden habe. Es handelt sich um eine Geschichte aus meinem Heimatkundebuch von 1958 (da war ich in der 3. Klasse der Grundschule in Kappeln). Wenn Du möchtest, kann ich den Beitrag auch gern abtippen – meine automatische Texterkennung versagt hier leider vollends.

Admin: Vielen Dank Achim, ich habe die vier Blätter aus Deinem Heimatkundebuch an den passenden Stellen “eingeflochten”. Mein erster Eindruck ist, dass sich Deine Beschreibung der Schlei weitgehend mit dem Bericht Strohmeyers deckt…Texterkennung brauchen wir nicht, Deine Handschrift ist sehr gut leserlich! :-D


Admin: Ich habe in der Landesbibliothek das “Schleswig-Holsteinische Wanderbuch” von Ernst Strohmeyer aus dem Jahr 1905 (Dritte Auflage 1913) ausgeliehen. Aus diesem Buch werde ich den Text zur “Schleifahrt von Kappeln nach Schleswig” jetzt Wort für Wort abschreiben und dabei das hinzufügen und “verlinken”, was sich so “am Wege” findet. Es wäre schön, wenn ihr an dieser beschaulichen Reise Anteil nehmt. Es geht los:

2. Schleifahrt von Kappeln nach Schleswig.
(Mit den kleinen Schleidampfern in 3 1/2 Stunden)

Durch die Kappelner Enge, wo man, wie auch späterhin, die teils sehr alten Heringszäune (zum Aufhalten und bequemeren Fangen der einziehenden Fische angelegt) sieht. – Nach kurzer Verbreiterung verengert sich die Schlei wieder zum Arniser Kanal (bis hierher reicht die Fischereigerechtigkeit der Holmer Fischerzunft in Schleswig).

Arnis,
ursprünglich eine Halbinsel, wurde durch König Erich (den Pommern) der in seinen Kämpfen mit den Holsten längs der ganzen Schlei Befestigungen anlegen ließ, abgegraben; später wurde es wieder landfest. – Früher gehörte der Ort zum Schleswiger Domstift; 1667 erhielt seine Einwohnerschaft einen bedeutenden Zuwachs, als 100 Kappelner Familien, um sich den Bedrückungen der Roester Herrschaft zu entziehen, hierher zogen. – 1864 gingen die Preußen unter Prinz Friedrich Karl hier über die Schlei. – Der Ort betrieb früher viel Schiffahrt und bedeutenden Handel; jetzt scheint er sich als bescheidener Badeort entwickeln zu wollen.

Die jetzt folgende lange Strecke der Schlei, die fast 1 km breit ist, heißt die “Lange Breite”. Links liegen Schloß und Gut Karlsburg,

einst dem Landgrafen Karl von Hessen gehörig, der 1800 das Schloß erbauen ließ. Die hier am Ufer belegenen Hügel (bei der Fischerwohnung Schwonsburg) sollen unter Erich dem Pommer befestigt gewesen sein.

Hart am Ufer liegt l. Dorf Winnemark, das früher dem Schleswiger Bischof gehörte, r. Karschau.


Dann folgt l. das Gut Bienebek, vom Herzog Friedrich Ferdinand erworben, mit einem Wohnhaus im Schweizerstil (dieser Besitz wurde um 1500 aus zwei Dörfern gebildet), r. Pagerö,

ehemals ein Hof, den 1406 die Königin Margareta dem Domkapitel in Schleswig zum Bau des Domes schenkte.

Gleich darauf l. Sieseby mit seiner alten, malerischen, von Bäumen eingefaßten Kirche.

Das Dorf ist sehr alt und wird schon im 18. Jh. erwähnt; später ward es von der Familie Sehestedt dem St. Johanniskloster in Schleswig geschenkt.

Bei der l. vorspringenden Landzunge “Stubbereck” endigt die “Lange Breite”; hier liegt das Gut Stubbe.

Stubbe war in früheren Zeiten ein stark befestigtes Schloß und Sitz der Schleswiger Bischöfe, die in den Kämpfen zwischen den dänischen Königen und den holsteinischen Herzögen aus Seiten der Dänen standen. Darum zerstörten die Holsten das Schloß zweimal.

Bei der Eisenbahnbrücke von Lindaunis die Haltestelle, von der aus die Dampfer den Anschluß an die Züge herstellen. – Unter der Brücke hindurch; dann r. der Eingang des “Lindauer Noors”, l. die Gutsgebäude von Stubbe; in der Nähe sieht man mehrere Hünengräber. Nach r. erweitert sich sodann das Wasser zum Gunnebyer Noor; l. liegt hier Gut Büstorf (stattliches Herrenhaus mit zwei Türmen), früher dem Schleswiger Bischof gehörig; – r. sieht man die Kirche von Ulsnis,

an welcher der Vater des unglücklichen dänischen Ministers Struensee † 1772, Prediger war. – (Man zeigt dort noch den Baumgang, in dem der Vater auf und ab geschritten sein soll, als der Sohn in Kopenhagen das Schafott bestieg.)

Die Schlei verengert sich wieder (durch die Enge Blick auf die fernen Hüttener Berge); r. werden die Dörfer Hestoft und Goltoft sichtbar. – Nachdem das Schiff das Eiland Kieholm und die Goltofter Ziegelei passiert hat, steuert es an einem l. belegenen Landvorsprunge vorbei, der jetzt ein modernes Wohnhaus trägt: Es ist die sogenannte “Königsburg“, auf der noch die Wallreste der 1415 von Erich dem Pommer erbauten großen, festen Burg, welche die Holsteiner und die Hamburger 1417 vergeblich belagerten, zu sehen sind.

Die nun folgende Strecke des Gewässers ruft die Erinnerung an den bekannten Brudermord hervor, der, wie die Sage erzählt, König Abel nicht im Grabe ruhen läßt, so daß er noch als “Wilder Jäger” umherziehen muß: Die südlich der “Könisburg” gelegene Bucht ist der “Zug zum finsteren Stern“.

Hier ließ der Ritter Lauge Gudmundsen mit Herzog Abels Einverständnis den König Erich – nach einer von ihm eingeführten Landessteuer Erich “Plogpenning” genannt – enthaupten. Der Körper wurde mit Ketten beschwert und versenkt. (Im Schleswiger Dom zeigt man noch die Kette und Mütze von König Erich.)
Auf dem nun l. folgenden Vorsprunge stand wohl die Kapelle zum finsteren Stern, die zum Gedächtnis des ermordeten Königs erbaut worden sein soll. (Nach anderer Überlieferung soll von dieser Kapelle der Priester geholt worden sein, der dem König Erich das Abendmahl reichte.)

Gleich hinter dem nächsten Vorsprunge sieht man den Eingang zum Ornumer Noor; geradeaus ist Missunde sichtbar. – Der Dampfer biegt nach r. zur Missunder Enge (100 m breit), von der r. das Brodersbyer Noor ins Land einschneidet. Bei Missunde ist ein wichtiger Übergang und eine vielbenutzte Fähre.

Die Wasserstraße hieß hier in alten Zeiten Maglandskanal und war als alte Fährstelle schon früh befestigt. – Bekannt ist Missunde, das an der Schwansener Seite liegt, durch die von den Dänen angelegten Schanzen und die Gefechte in den Feldzügen 1848, 1850 und 1864.

Die Dampfer legen an der Angelner Seite, beim Fährhause, an.

Zu den Schanzen gelangt man, wenn man mit der Fähre ans Südufer fährt: hier gleich l. die Reste des Brückenkopfes; im Dorf an den Häusern eingemauerte Kugeln; – gleich hinter dem Dorfe l. die mit Anlagen versehenen Reste der Hauptschanze mit dem Denkmal.


Durch die Missunder Enge gelangt das Schiff zuerst um die hohe Halbinsel “Alte Burg” (r.), die höchstwahrscheinlich schon im Altertum befestigt war und als “Fliehburg” bei räuberischen Einfällen diente – 1864 hatten die Dänen dort Schanzen – dann um den niedrigen Vorsprung “Kielfot” (l.) herum, in die “Große Breite” oder das “Wesen-Noor“. – Hier gleich r. eine Bucht, an der man, an das hohe Ufer der “Alten Burg” amschließend, den niedrigen Strand des Syllermoors erblickt.

Dort soll König Erichs Leiche angetrieben worden sein; der Ort ward durch ein hölzernes Kreuz bezeichnet und “Kreuzort” benannt.

Links voraus erblickt man die Ziegeleien von Borgwedel, weiter zurück an der Bucht das bekannte, dem Herzog Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein gehörige Luisenlund.

Am rückwärts liegenden Ufer des Noors Weseby, bei dem früher eine stark befestigte Burg gestanden haben soll. – Nach Westen scheint sich das Wasser zu schließen; hier ist die Stexwiger Enge, die durch die von Norden hervorspringende niedrige Halbinsel Reesholm mit der Spitze Palörde gebildet wird. – Am Dorfe Stexwig (l.) vorbei durchsteuert das Schiff die Enge und fährt in die “Kleine Breite“.

Hier eröffnet sich zugleich ein ungehinderter Blick zur schön belegenen Stadt Schleswig und zum Ende des Meerbusens. Rechts verbreitert sich das Wasser zum Winninger Noor, wo beim Gute Winning die Loiter oder Füsinger Au, das Hauptgewässer Angelns mündet; hier erblickt man die Kirchen von Moldenit und Kaleby.

Links voraus sieht man Fahrdorf (vorm. Wagerdorf), von wo eine Fähre für Fußgänger nach der “Freiheit” in Schleswig führt.

Etwas weiter die kleine Kirche von Haddeby, – hinter ihr erblickt man einen bewachsenen Hügel, die “Hohburg” genannt.

In der Ferne der Königshügel mit dem Denkmal für die gefallenen Österreicher; dahinter die Hüttener Berge.

Weiter nach r. schließt sich im Landschaftsgebilde der Stadtteil Friedrichsberg an, dessen Abschluß das große Regierungsgebäude bildet. – Rechts im Vordergrunde die Stadt Schleswig; zunächst, auf einer Halbinsel, das St. Johanniskloster mit seiner Kirche;

weiterhin der Dom mit seinem neuen, 112 m hohen Turme; auf der Höhe die Michaeliskirche. – Mitten in der Schlei die Insel Möwenberg.

Hier stand schon 1105 ein Schloß, die Juris- oder Jürgensburg; – eine Brücke, deren Reste bei sehr niedrigem Wasserstande noch sichtbar sind, führte zum Festlande. Auf dieser Burg residierte der bekannte Knud Laward, der im Kriege mit den Holsten auf der Insel sein Lager hatte, ward dort von seinen nimmer rastenden Feinden überfallen und entkam nur mit genauer Not. – In neuerer Zeit war das Eiland durch das Möwenschießen, das Volksfest der Schleswiger bekannt.

(Das war’s)


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Hafenluft

Ein paar “neue” Bilder sind dazu gekommen…

Seeehr alt…


1897


(1912 war allerhand los im Hafen)


In den späten 30ern lagen die Schiffe sogar im Päckchen…


(Auch 1955 war der Hafen wohl noch recht belebt…)

Hafenluft.


Nur


mal


so,


zum





schnuppern.


Tuuuuut!


Pfui, jetzt stinkt es aber im Hafen.
Ob die da alle auf dem Dampfer sitzen? Die “J.-Meyer Quade” erwies sich als unwirtschaftlich und wurde 1936 durch die “Nordmark” ersetzt.



Hier, Norbert hast Du noch einen Dampfer, der von Kappeln aus die Schlei befährt :)


Hier noch ein Link für nautisch interessierte (Danke Norbert).

Ernst Matthias von Köller war wohl der Namensgeber dieses Schleidampfers. Als Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein war er lt. Wiki ein ziemlich scharfer Hund bei dem die Dänen nichts zu lachen hatten…


Hier kommen jetzt noch vier Schiffe der Schleischifffahrt (Fotos entnommen aus “Schiene Straße Schiff” von Matthias Schartl (Hrsg.), 2001):




Hier gibts auch noch Bilder… (mit “hafen” hier suchen)

Noch eins von 1961 – aus dem Album der Familie Süße


Ansichten: 186 Schlei: , ,

Fangglück

Schleimünde – Sommer 1945 – britische Besatzer

Kommentar: “…this is in Germany and it’s an Intelligence car (note in my uncles HQ Squadron, 29th Armoured Brigade book).” Admin: Vielleicht ein ehemaliges Gestapo-Auto wie in Kropp, Foto re.?


Kommentare: “I know that Uncle Vic was involved in liberating the camps… [Admin: KZs] he never spoke about it though. That’s him on the left. I’ve a feeling they probably destroyed it shortly after this photo was taken! Looks like he has a knife is his hand!” Admin: Ich glaube, dass es sich um eine an den Ufern der Schlei erbeutete Fahne handelt…


Kommentare: “German Sea Plane at the Sea Plane Base Schleswig Holstein [Admin: Das ist ja wohl die Freiheit] (note in my uncles HQ Squadron, 29th Armoured Brigade book).” und “blohm und voss bv138, german sea plane”
Jochen: “Das Wasserflugzeug auf uncle Vic’s Bild liegt tatsächlich vor Winning, und nicht im Bereich der Freiheit oder am Klensbyer Noor (später ZuckerAG). Das kann man sehr schön an den Pfählen im Wasser und der Silhouette von Winningmay und Reesholm im Hintergrund erkennen.”


Jochen hat diese Fotos zufällig hier entdeckt und voller Begeisterung Sönke und das “Klassentreffen” informiert.

Aus seiner Email:

Viel Vergnügen beim Durchsehen; ist mal ‘ne andere Schleifahrt aus bilderloser Zeit. Sowie Neues zur Geschichte der britischen Besatzer aus deren Perspektive. Habe soeben in der Alten Schleihalle.de mit Erstaunen festgestellt, dass z.B. zur Freiheit 1945 kaum was bekannt ist. So hat mein Grossvater die Sache immer so dargestellt, dass die Engländer dort erst im Herbst 1945 eingezogen waren. Ich nahm an, dass da deutsche Soldaten und Flüchtlinge gehaust hatten.

Admin: Jochen hat der Email einen in englischer Sprache verfassten Brief an die Besitzerin der Fotos beigefügt. Darin findet man die Erklärung für die “bilderlose Zeit“: “…there are almost no pictures from that time. To take photographs was forbidden and the british troups almost at once claimed all weapons and cameras delivered to be destroyed.”

Admin: Jochen hat mit seinen fundierten Ortskenntnissen die meisten Fotos lokalisiert. Wenn man auf die Fotos klickt, enthält der Dateiname der Fotos eine Ortsangabe.

Gegugelt: Die “29th Armoured Brigade“, die an der Schlei zugange war, war ein Teil der “11th Armoured Division“. Hier zwei Sätze: “From the end of the war in Europe (8 May 1945), the Division controlled the province of Schleswig Holstein until it was disbanded [=aufgelöst] in January 1946.” und “After the German surrender, the Division was used as an occupation force in the Schleswig-Holstein area. On 23 May, units of the division were employed in the capture of members of the Dönitz government in Flensburg.”


Jochen: Habe soeben eine Luftaufnahme aus den 1950er Jahren entdeckt (unten), auf der die Vertenswerft zu sehen ist. Man kann sehr schön sehen, dass die eine der Aufnahmen (oben) von Uncle Vic (links) dort gemacht wurde.

Elke Müller:

1945 gab es das STALAG-Gelände zwischen Hesterberg und Suadicanistraße. Dort lebten die britischen Besatzer. Die jetzige Mauer war gesichert durch einbetonierte Glasscherben und Rollen von Stacheldraht. Am Ausgang bzw Eingang stand ein Schilderhäuschen mit Wachsoldat… “geschultert das Gewehr”. Meine Großmutter hat für einige brit. Damen genäht. Wir hatten als Gegenleistung Stoffreste und Schreibpapier.

Admin: Später standen dann die Norweger dort Wache (Foto re.)…


Admin: Ich habe mal ein bisschen zum Begriff STALAG gegugelt. Das ist ja noch ein Begriff aus der braunen Zeit. Hier z.B. fand ich den Satz: “…Beide waren über 40 Jahre alt und somit nicht mehr kriegsdiensttauglich. Als Reservisten gehörten sie zur Landwehr und unterstanden dem Kriegsgefangenenstammlager Stalag XA 10 in Schleswig, das in der dortigen Landwirtschaftsschule eingerichtet worden war.” Hier noch so ein Satz: „Die Arbeitskommandos des Gebietes Rendsburg waren verwaltungstechnisch vom Stalag XA, Schleswig, einem der größten Lager abhängig.“

Tja, man kann sich auch in den Weiten des Internet verlieren… ein modernes Medium, in dem man jede Menge alte Sachen findet…
Ansichten: 489 Schlei: , , , ,

Kappeln Strand-Hotel

Für alle, die heute in den SN auf Seite 15 den Bericht über das alte Strandhotel in Kappeln lesen – eine zusätzliche Ansichtskarte von Anno Dunnemals.

Ein kleiner Service des “Klassentreffens”. :D
Und noch eine Ansichtskarte:

Die Karte oben (ca. 1954) zeigt den Stolz auf den Fortschritt – das Auto!


Ansichten: 114 Schlei: