Die Fibel
1. Februar 2008"Opa Giese"
1. Februar 2008
Anmerkungen von Falk Ritter:
Aus der "Schulfibel" drei Charakterisierungen des Lehrers "Opa Giese". Dieser Lehrer kannte keine Kuschelpädagogik, nur gnadenloses Lernen, wofür ihm die Schüler im Nachhinein sogar sehr dankbar sind.
Niels Kern über den Lehrer „Opa Giese“:
(Hier die Seiten in der "Fibel": Seite 1, Seite 2)
Von bleibendem Eindruck war für mich Opa Giese. Er war sehr streng, sehr korrekt und verlangte viel Fleiß und eifriges Auswendiglernen von uns.
Ob nun Schillers Glocke so geochst werden musste mit allen Strophen und
Meistergesängen, sei dahingestellt. Daraus noch Arbeiten schreiben zu
lassen, wie drittes Wort in der dritten Reihe des zweiten Meistergesanges, war sicherlich eine Fleißarbeit und Gedächtnistraining, aber von wenig Nutzen. Es verhalf uns nicht viel weiter für später, aber was er uns beibrachte war Grammatik und die Interpunktion. Das Herausfinden was ist Hauptsatz, Nebensatz und ein eingeschobener Nebensatz mit den notwendigen Komma, wurde von ihm in Perfektion vorgetragen. Genauso seine Analyse von Gedichten, das Vortragen, das Herausfinden des neuen, mit der sich daraus ergebenden Betonung, hat mich sehr geprägt und fürs Leben nützlich vorbereitet. In Dankbarkeit denke ich oft an ihn. Hier wurde einem etwas für später mit auf den Weg gegeben, was natürlich erst viel später von mir erkannt wurde. So lange wir bei ihm Unterricht hatten, war es Quälerei.
Klaus-Jürgen Laube über „Opa Giese“
(Hier die Seiten in der "Fibel": Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4)
Am nachhaltigsten bleibt in Erinnerung: Opa Giese, in Deutsch und
Geschichte. Mir wird immer ein Rätsel bleiben, warum er „Opa „genannt
wurde. Lag es an seiner Haarlosigkeit? Herr Giese war der personifizierte Gegensatz zu einem gütigen Opa. Erschien er mit spitzem, zu leisen Pfeifen vorbereiteten Mund, war das Unwetter vorauszusehen. Am Tisch stehend, die Tasche, das Notizbuch: ln Grabesstille fielen die Namen, einer nach den anderen und nach jedem Namen die Pausen! Pause, Pause, - - Stille. Dann, nach einzelnen, gestotterten Worten und Sätzen, scharf und vernichtend: „x“ „y" setzen! Völlig ungenügend, -- fünf! Der nächste Namen, der nächste Abschuß. Ich verdanke dieser an Kälte und Schärfe nicht zu überbietender Pädagogik Kenntnisse in Geschichte und in deutscher Grammatik, die mir später im Gymnasium zugute gekommen sind.
Otto Ehlert über „Opa Giese“
(Hier die Seiten in der "Fibel": Seite 1, Seite 2, Seite 3)
Den stärksten Eindruck aller Lehrer hat "Opa" Wilhelm Giese hinterlassen. Für ihn haben wir wirklich gelernt. Er war sehr konsequent und hatte eine sehr schnelle Hand. Seine blitzartig abgeschossenen Fragen wie: Schiller, Glocke, I.Vers, 3.Zeile 2.Wort ? zwangen uns, um die absehbaren Ohrfeigen zu vermeiden, zum Lernen. Er war der einzige Lehrer, vor dem wir Respekt hatten, bei den anderen reichte es, in der großen Pause die Hausaufgaben abzuschreiben.
Die Klassenfibel - Mittlere Reife 1952
31. Januar 2008
Mit diesem Schreiben hat Dr. Falk Ritter die "Klassenfibel - Mittlere Reife 1952" von Otto Ehlert erhalten. Aus dieser, an mich ausgeliehenen Fibel, habe ich sofort drei Fotos herauskopiert und bringe sie hiermit ans Licht der "Welt":
Zuerst die "Mädchenklasse":

...und nochmal mit Beschriftung:

Und jetzt die "Jungs":

...mit Beschriftung:

Hier jetzt die fröhlich gestimmten Lehrerinnen und Lehrer...

...die sich um ihre "Chefin" versammelt haben.
Post aus Dänemark an Falk Ritter
27. Januar 2008Sehr geehrter Herr Ritter!
Wie ich dem Internet (gerdtams.de) entnehme, tragen Sie Informationen zur Geschichte der Realschule in Schleswig zusammen.
Anbei erhalten Sie ein Bild, das ich von meinem Grossvater geerbt habe. Es zeigt seine Realschulklasse auf der Domschule im Jahre 1922, als er 11 Jahre alt war. Der Lehrer im Hintergrund ist ein Herr Rabe. Den Weg zu seinem Klassenzimmer beschrieb mein Grossvater mir vor ca. 20 Jahren:
"Durch das Hauptportal in die Schule und nach links gehen. Im ersten Zimmer war der Direktor, das zweite Zimmer war das Lehrerzimmer, und das 3. Zimmer war sein Klassenraum."
Mein Grossvater kam aus Moldenit und auf dem Bild ist gleichfalls sein späterer Schwager zu sehen, der aus Hüsby stammte.
Ich besitze noch Kopien von drei weiteren Klassenbildern dieser Klasse und werde sie Ihnen in separaten emails zuschicken. Bitte verwenden Sie die Bilder nach Ihrem Fürgutbefinden.
Irgendwo habe ich vermutlich noch weitere dazugehørende Unterlagen (Mitgliedsausweis des Ehemaligenvereins, Zeugnisse???). Ich kann Ihnen jedoch nicht versprechen, diese in absehbarer Zeit zu finden.
Mit freundlichen Grüssen
Jochen Meyer
Brædstrup, Dänemark
Sehr geehrter Herr Ritter!
Hiermit das erste der angekündigten Bilder. Es zeigt die Klasse meines Grossvaters in der Realschule auf der Domschule vermutlich 1923. Mein Grossvater ist, wie bereits geschrieben 1911 geboren. Der Lehrer unterschrieb das Bild und ich erinnere mich daran, dass der Namenszug für Timm steht. Ich glaube, Herr Timm war vergleichsweise beliebt bei meinem Grossvater.
Mit freundlichen Grüssen
Bild links:
Nun ein Bild von 1923/1924 (vermutlich)
Gruss J.M.Bild rechts:
Hiermit das dritte (vierte) und letzte Bild der Klasse meines Grossvaters. Ich vermute, dass die Aufnahme von 1927 oder 1928 stammt.Jochen Meyer am 6.3.08: Bereits vor einiger Zeit habe ich Ihnen u.a. das Abschlussklassenbild meines Grossvaters zugesandt. Ich gab an, dass es wohl 1927 oder 1928 aufgenommen war. 1927 ist die richtige Angabe.
Beste grüsse aus Dänemark
Jochen Meyer
Es ist wieder Mittwoch...
23. Januar 2008...und Falk Ritter freut sich:
...komme gerade wieder aus dem Stadtarchiv und wurde sehr fündig:
1. Eine Unterschrift des ersten Realschulleiters F. Fischer, der 1848 hier seine Stelle antrat:
2. Ein (Auszug aus einem) Rechenschaftsbericht Fischers aus dem Jahre 1852, in dem er Vorwürfe, die gegen die Realschule erhoben wurden, entkräftete:
3. Im Jahre 2002 hatte der Abschlußjahrgang 1952 der Schleswiger Mittelschule eine „Klassenfibel“ mit ausführlichen Berichten und Bildern aus ihrer Schulzeit herausgebracht. Ich werde mit dem Autor Herrn Otto Ehlert Kontakt aufnehmen.
Gerd Tams: Hier jetzt die passende Hintergrundinformation aus diesem Buch von Theo Christiansen:
Ein Direktor Fischer aus Altona übernahm nach einer Ausschreibung im "Altonaer Mercur" aus 14 Bewerbern die Leitung. Die Schule hatte schwierige Zeiten zu durchstehen. Sie erhielt das Gebäude Stadtweg 72 (im Januar 1973 abgebrochen). Mit nur geringer Sachunterstützung der Stadt hielt die Schule sich nur mit Mitteln der Bürger getragen unabhängig von Stadt und Staat. Mit 52 Schülern wurde sie 1848 zu Michaelis eröffnet. 1859 hatte sie 83 Schüler. Die finanzielle Lage war oft sehr mißlich, und das Direktorium erwog wiederholt, Mittel von der Stadt und vom Staat zu erbitten. Es blieb aber bei den Zuschüssen von Bürgern, Schützengilden und anderen Vereinen. Der tüchtige Direktor Fischer konnte bei den spärlichen Bezügen nicht bleiben und verließ Schleswig 1853 wieder. Bewerber um die Stelle zogen sich zurück, als sie die kümmerliche Finanzlage erfuhren.
Gerd Tams: In dem Rechenschaftsbericht Fischers ist von "mehr als 170 gesunden und munteren Knaben" die Rede.
Gerd Tams: In diesem Buch von Heinrich Philippsen (1923) kann man "schwierige Zeiten" höchstens hinter den Zeilen erahnen:
Die Tätigkeit des Bürgervereins war aber, wie uns anderweitig bezeugt ist, eine rege und vielseitige. Seiner Anregung ist in erster Linie die Errichtung einer "Lehranstalt für Realwissenschaften" zuzuschreiben, die bereits am 23. Mai eröffnet werden konnte und in dem geräumigen Benicke'schen Hause im Lollfuß (Lollfuß Nr. 72) untergebracht wurde, wo sie bis zum Jahre 1864 verblieben ist. Sie war freilich ein Konkurrenzunternehmen gegenüber der Domschule, die vorwiegend ihren alten Charakter als Gelehrtenschule beibehielt, sie hat aber während der dreizehnjährigen Bedrückungszeit
das Deutschtum der Stadt wesentlich gestärkt und ihren Schülern eine für das praktische Leben vorzügliche Bildung gegeben.

