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Die Schleihalle
Die Schleihalle hat offensichtlich in "unseren" 60er-Jahren in Schleswig immer wieder eine Rolle gespielt. Auch für die älteren Schleswiger gab es eine "Schleihalle", wenn auch in anderer Form. Deshalb lohnt es vielleicht, dem Thema "Schleihalle" einen besonderen Eintrag zu widmen, Fotos zu sammeln und zu bereits bestehenden Einträgen und Kommentaren zu verlinken.
Ein Teil der Fotos ist aus dem Bildarchiv Marburg, das drittletzte Bild habe ich aus dem frisch gekauften Buch "Schleswig 1945-1968" von Reimer Möller und Holger Rüdel kopiert
Aus der Geschichte des OV-Schleswig des DARC:
...Ebenso war Detlev Missfeld, DE 1761, bereits sehr früh dem Amateurfunk verfallen. Als Sohn des Malers und Bildhauers Friedrich Missfeld, der u.a. die Innenausbauten des Passagierdampfers "CAP POLONIO" entwarf und diese später in der längst abgerissenen "Schleihalle" wieder verwendete
(Jugendstil), kam er nach Schleswig. Er arbeitete am Wetteramt und war als DL 1 IP besonders in Telegrafie aktiv. Hunderte von Diplomen bedeckten alle Wände seines Hauses im Regenpfeiferweg 34. Leider verstarb er schon am 11.11.1976.
Aus dem Gästebuch von schleswig.de:
Gerd schrieb am Sonntag, den 15. Juni 2003 aus Los Angeles, USA:
Es ist lange her, doch noch heute kann ich nicht verstehen, warum der zu der Zeit, groehste Anziehungpunkt Schleswigs, die beinahe in ganz Deutschland bekannte SCHLEIHALLE, abgebrochen wurde. Es war ein Restaurant das seiner Zeit um viele Jahre voraus war. - Mit dem Abbruch, wurde der Stadt Schleswig kein guter Dienst geleistet.
Herzlichen Gruhs an alle Schleswiger. Gerd
vom Samstag, 21. Juni 2003, Geißler Achim, Hallo Gerd und alle Fans der Schleihalle. Ich bin auch leicht enttäuscht wenn ich nach Schleswig komme und sehe die Kreuzung. Da werden immer wieder die Erinnerungen der 60. wach. Im Lido wo unser Beatschuppen war mit Otto Petersen in der Garderobe und MUTTI im Pesel (so wurde damals die Kneipe im Keller genannt). Der Besitzer Jürgensen und ich sind damals auf die Idee gekommen etwas in Schleswig für die Jugend zu machen, da Hamburg den Starclub und Top Teen, Kiel, Rendsburg und Kappeln einen Starpalast hatten, wurde in der Schleihalle für die Jugend das Lido eröffnet. Die Firma Boockhof hatte die Bühne gemacht. H.Jürgensen und ich fuhren mit seinem gelben Cadillac alle Beatschuppen ab um Kapellen zu verpflichten. Es ist schön dass die Schleihalle noch in guter Erinerung bleibt. Viele Grüsse aus dem Rheinland Overath b. Köln Achim
Hier noch einmal Achim (früher Schubystrasse 102a) aus dem Gästebuch:
Liebe Schleswiger, leider habe noch keinen gefunden aus der Wilhelminenschule Jahrgang 1944. Sollte jemand mich noch kennen schreibe bitte an ... Die Lehrerin war Frau Carstensen immer mit engem Rock und Schlips. Ich würde mich freuen evtl. etwas zu erfahren was aus den Jungs geworden ist, evtl Klassentreffen. Bis bald mal wieder. Ein immer noch Schleswiger, der nach Köln gezogen ist. Gruß Achim Geißler
Und noch einmal:
Liebe Schleswiger ich suche immer noch Klassenkameraden der Wilhelminenschule Lutherstrasse, die um 1950/51 bei der Lehrein Fr. Carstensen Eingeschult worden sind. Ich habe leider nicht alle Namen mehr im Kopf, aber einige: Becker Voigt Krambeck. Vielleicht kann mir jemand helfen. Ich bin 1960 zur See gegangen und 1969 von Schleswig ins Rheinland gezogen. Ich würde mich freuen evtl. etwas zu hören.
The Pacifics aus Holland sind natürlich auch in der Schleihalle aufgetreten!
Jetzt wird es etwas ernsthaft. In dem Oratorium "Finis ab origine pendet" (Das Ende hängt vom Anfang ab), das eigens für das Stadtjubiläum geschrieben wurde, wird auch die Schleihalle erwähnt:
Nr. 50 Rezitativ
Über den nachfolgenden Krieg muss ich wohl nicht viel erzählen, die Fakten sind bekannt. Die Kriegsschäden waren glücklicherweise nur gering. Wie so viele andere Städte musste auch Schleswig nach dem Krieg mit einer Welle von Flüchtlingen fertig werden. Und wie in ganz Deutschland folgte darauf die "Fresswelle", in der lange entbehrtes nachgeholt wurde. Dann die "Kleidungswelle", in der verlorenes Hab und Gut wieder erworben wurde. In der "Reisewelle" suchten die Menschen schließlich nach etwas Abwechslung, die Früchte des Wirtschaftswunders wollten geerntet werden. Parallel dazu wuchs das Vertrauen in die Technik dermaßen, dass man glaubte, alles ließe sich damit regeln. An erster Stelle standen dabei das Auto und die damit verbundene Mobilität. Für diesen Glauben an den technischen Fortschritt wurden alte Werte geopfert, natürlich nicht ohne kontroverse Debatten. Um Strassen zu bauen oder zu verbreitern sollten zwei altehrwürdige Orte weichen. Ravens-Hotel sowie einer der kulturellen Mittelpunkte der Stadt, die Schleihalle wurden nach langen Streitereien schließlich abgerissen. Die Strassen jedoch wurden nie gebaut.
Dann wird nach einem Text von Geerd Spanjer gesungen:
Nr. 51 Städtebild der Gegenwart - Quartett und Chor
Text: Geerd Spanjer (1905-1992) aus: Städtebild der Gegenwart (1969)Baut, oh ja baut Großes und Neues nach eurer Art;
Glas und Stahl können wunderbar schön sein
als Werkstoff und Formstoff der Zeit.
Aber baut es am rechten Platz,
nicht mit Fundamenten im Grabe des Alten
das schön war, das ihr dennoch vernichtet habt,
wie ein Mörder den Greis erschlug,
der hilflos war und doch Güte besaß
und den Abglanz inneren Adels.
Und nun wird es wieder richtig lustig, weil Norbert Neidebock wie folgt seinen Senf dazu gibt (und bitte auf den "Toten Herrmann" klicken!):
Schleihalle. Ja! Das war das große Gebäude gegenüber vom "Toten Hermann" :-), dem Imbissladen am Parkplatz. Dort haben wir uns oft mit ner Wurst und´n Flasch Bier von dem Rummel im Pesel erholt. In den 60ern war die Schleihalle nur noch´n Bumsladen mit Randale und Schlägereien. Die große Zeit hatte sie nach dem Krieg mit bekannten Stars aus Funk und Film oder Fernsehen. Varieté war damals noch "IN"! Der Pesel, weniger die Bar oben, sah manchmal schlimmer aus, als ein englisches Pub in den Arbeitervierteln. Kippen und Brandlöcher im Fußbodenbelag, der auch oft schwamm. Also, wo man sich so richtig wohl fühlen konnte :-D. Die Soldaten, die Pioniere, hausten dort manchmal fürchterlich, denn sie hätten sonst einen "Ruf" zu verlieren gehabt! Nach dem Abbruch verzogen sie sich zum Hühnerhäuser oder in den Deutschen Keller.
Die Schleihalle war lange Zeit Zollpackhaus und dann ab 1875 als "Schleihalle" ein Restaurant.
Nach Theodor Lüben als Besitzer folgte Adolf Flenker, späterer Besitzer des Hotels "Prinzenpalais". Danach kam, 1910, Friedrich Müller. Lt.Adressbuch von 1929 ist Johann Jürgens aus Bollingstedt Eigentümer der Schleihalle.
Wenn ich mich recht entsinne wollte der Besitzer Jürgens es noch einmal mit dem Café Eden am Herkulesteich versuchen. Aus dem Paradies wurde aber nichts:
Man achte auf die Flamingos auf dieser Postkarte von 1962 - eine hier recht seltene Vogelart und wenn mich meine alten Augen nicht täuschen, steht ein Kamel nebst einem Esel auf der Freitreppe (das Gebäude war übrigens der alte Pferdelazarettstall des Husarenregiments).

Hier noch ein Blick auf eine anmutige Sitzgruppe mit Enten etwas weiter links...
Links:
Anitas Bar
Wulf-Werner Witte wohnte in der Nähe der Schleihalle
Ein Nachruf ohne Widerhall
14 Kommentare
Der alte Meier erkrankte dann schwer, woraufhin die beiden aus England zurückkamen und im Imbiß arbeiteten und dann das Lokal "Zur Lollfußtreppe" gegenüber der Lollfußtreppe übernahmen. Der Wirt wurde Billy genannt. Es war Bier aus Münster im Ausschank. Was aus ihnen geworden ist weiß ich leider nicht, würde mich aber sehr interessieren.
Wir hatten einen alten Lehrer, der kurz danach pensioniert wurde. Namen habe vergessen. Ich wohnte zu dem Zeitpunkt mit meinen Eltern un d meinen Geschwistern im Lollfuß 96 (bei einem Gerichtsvollzieher(?) in UNtermiete. 1954 kam ich in die Domschule ins Gymnasium. 1957 verzogen wir nach Hamburg.
Zeugnisheft der Wilhelminenschule aufblättern. Unterschrift des Klassenlehrers ist meistens lesbar.
Könnte Stender oder auch, jetzt phonetisch geschrieben, Wlotkoski gewesen sein. Letzterer verteilte Kopfnüsse, zog an den Ohrläppchen und nutzte den Rohrstock. Ich genoß ihn 1952/53 in Religion.
Gruß aus Köln
Rainer Pose
Ich habe mal Holger Petersen gefragt, der früher "DJ" und Conférencier in der Schleihalle war. Er schreibt:
Hallo Gerd,
das Bramsquartett spielte seltener in der Schleihalle dafür aber im Deutschen Hof (Friedrichsen) Samstags, überwiegend deutsche Musik der damaligen Zeit. Ich hatte kein Kontakt zu dieser Gruppe, da "meine Musik" eine andere war.
Gruß Holger.
Da sage noch einer - Allohol erhält nicht jung - und Kröger gehen an den Folgen ihres Berufes zu Grunde.
Ich habe deshalb erstmal die Kommentierung verboten und warte ab, was passiert! Grrrrrrr
Update: Kommentare sind wieder möglich!



