Papiere aus Mohrungen im früheren Ostpreußen

Wolfgang Kather:

…Es geht um meine Geburt. Meine Mutter muß zum Zeitpunkt der Flucht aus Ostpreußen so panisch gewesen sein, dass sie Dinge eingepackt hat, die zum Überleben unwichtig waren…

Der Stabszahlmeister Franz Kather und seine Frau Gertrud zeigen die Geburt ihres dritten Jungen an…

Das Offizierkorps des Gren.Ers.Btl.3 in Braunsberg gratuliert zum neuen Soldatennachwuchs und winkt mit dem Mutterkreuz, das bei der nächsten Geburt eines Kätzchens fällig wird…

Ein dankbar ergebener Gerhard Kahlow schreibt an die Hochverehrte gnädige Frau: “…In dieser ernsten Zeit, da uns das Schicksal vor harte Proben stellt, ist die Geburt eines Jungen ja ein besonderer Glücksfall, denn er tritt an die Stelle der Vielen, die nicht mehr unter uns sind…”.

Und Erna Ledwig schreibt an die liebe Trudel: “…Bubi findet ihn doch sicher noch zu klein, um einen anständigen Pimpf aus ihm zu machen…”


Die Zeiten wurden dann ja etwas schwieriger. Eier bekam man 1944 mit Hilfe der Reichseierkarte und Kartoffeln bezog man mit dem Bezugsausweis für Speisekartoffeln…


Wolfgang meint, zu Recht, dass diese Belege von Interesse sein könnten, weil viele von uns ein ähnliches “Schicksal” mitmachen mussten:

…Wenn ich mich recht erinnere wohnte Bully Eggert doch z.B. noch bis weit in die zweite Hälfte der 50er Jahre in der Moltkekaserne, die erste Adresse unter den Flüchtlingswohnadressen in Schleswig…

Anmerkung Gerd Tams: Nach diesem Zeitungsausschnitt wohnte Egon noch bis zu seiner Konfirmation in der Moltkestraße 34!

Norbert Neidebock ist auch ein Flüchtlingskind. Er schreibt:

Da Wolfgang Kather seinen Aktenschrank geöffnet hat, habe ich auch mal bei mir nachgeschaut, ob ich was in den unendlichen Weiten des Weltraums, hier im Hause, finde.
Hauptsächlich wollte ich meinen Flüchtlingsausweis suchen. Aber da ich der absolute Ordnungsfeind und Chaot bin, habe ich den nicht gefunden. Ja, ich habe einen, obwohl ich in Schleswig geboren bin. Die Flucht aus Berlin überstand ich wohlbehalten im Bauch meiner Mutter!

Dazu schreibt Wolfgang Kather:


…der Norbert N. hat doch seinen Flüchtlingsausweis gesucht, er kann meinen haben, ungebraucht, neuwertig, ich weiß bis heute eigentlich nicht, wofür der gut sein sollte, einen Vorteil habe ich durch ihn nie gehabt…

Wolfgang und Norbert diskutieren hier, hier und hier über den Sinn und Zweck des Flüchtlingsausweises…

Aus den Schleswiger Nachrichten sinngemäß wiedergegeben:

Angela Hansen, 1946 aus Pommern geflohen, begann 1949 bei der Bäckerei Schubert als Kindermädchen zu arbeiten. Sie lernte dort ihren Mann kennen, den sie im Oktober 1951 heiratete. In dem Lager in der Moltkekaserne durfte sie aber nicht mit ihrem Mann zusammen wohnen. Bis 22 Uhr musste der das Lager immer verlassen.

Es war schwierig, etwas anderes zu finden. Ihr Flüchtlingsausweis half nicht mehr bei der Wohnungsbeschaffung, weil sie mit einem Einheimischen verheiratet war. Eine möblierte Bodenkammer in der Schubystraße, hundekalt, wurde dann auf eigene Faust gefunden…


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12 Gedanken zu “Papiere aus Mohrungen im früheren Ostpreußen

  1. Wolfgang hat den Flüchtlingsausweis “A”; ich hatte den “B”, wie Berlin!
    Durch den Ausweis bekam der Inhaber Vergünstigungen im sozialen Bereich, wie z.B. Wohnungs- oder Kleidungsbeschaffung.
    Als kleiner Junge bekommt man davon auch nichts mit.
    Ich kann mich nur noch daran erinnern, daß meine Mutter und ich von der Bellmann-Turnhalle Carepakete abholten. Ob das auch mit dem Ausweis zusammenhing???
    Da müßte ein mind. 20 Jahre älterer Flüchtling oder Beamter gefragt werden, der mit der Verteilung zu tun hatte. Gruß, Norbert

  2. Ich glaube nicht, daß Norbert`s Erklärungsversuch richtig ist. Carepakete haben wir nie bekommen. Ich kann mich noch daran erinnern, daß ich neidisch auf diejenigen war, die mit Schokolade aus den Carepaketen angegeben haben. Ich glaube auch nicht, daß es Vergünstigungen im sozialen Bereich gab, daran, so denke ich, würde ich mich erinnern. Es gab wohl Entschädigungen für verlorenen Besitz. Mein Kleinkindspielzeug fiel wohl nicht darunter!, und meine Eltern hatten wohl nichts. Ich könnte mir eigentlich nur vorstellen, daß man vielleicht verbilligte Kredite zur Immobilien Beschaffung gab.

  3. Hallo Wolfgang!
    Ich habe mir nochmal deinen Ausweis angeguckt.Der stammt ja von 1960.
    Ob der zu der Zeit noch von Nutzen war, entzieht sich definitiv meiner Kenntnis! Da ging es uns ja schon ganz gut. Man sprach vom “Wirtschaftswunder” :-))
    Kurz nach dem Krieg sah unsere Welt noch ganz anders aus. Die Flüchtlinge waren äußerst unbeliebt bei der heimischen Bevölkerung. Es gab nur wenige Ausnahmen, wo sie freundlich aufgenommen worden sind.
    Da war der Ausweis wohl von Nutzen, um das Leid und die Not ein wenig erträglicher zu machen und wenn es nur um ein etwas größeres Zimmer ging, in dem weiß der Deubel wieviel Leute hausten!

  4. Trotz Googeln habe ich nichts gefunden was Deine Annahmen im sozialen Bereich bestätigt. Vielleicht half er ja irgendwann bei der Wohnungsbeschaffung (Analog dem §5 Schein heute), aber da habe ich auch meine Zweifel.
    Es wäre für mich denkbar, daß der Ausweis in Verbindung mit dem Lastenausgleich stand. Ich kann mich erinnern, daß meine Eltern mehrfach Besitzverhältnise früherer Bekannter bezeugen sollten und ich kann mich weiter erinnern, daß mein Vater schwer mit sich trug, wenn er Dinge bezeugen sollte, die nicht seiner Erinnerung entsprachen (um das Wort Betrug zu vermeiden!)
    Aber, wie gesagt ich weiß es nicht.

  5. Könnte es sein, daß man bis zu einem bestimmten Alter in dem Ausweis seiner Mutter oder seines Vaters eingetragen war und erst dann einen eigenen Ausweis erhielt?

  6. Hier steht was über den Flüchtlingsausweis und die Hilfe bei der Beschaffung von Kleidern usw.
    Wie ich es so rauslese, war der Ausweis ein Nachweis zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus (Düwel ook,das ischa schon Beamtendeutsch :-D)

  7. Das ist dscha man ein Gesetz aus Würtemberg-Baden, einem Land, das es heute nicht mehr gibt, ich weiß aber nicht mehr wann die Länder neu formiert wurden, das wird man aber ergoogeln können. Der Flüchtlingsausweis muß aber auf einem Bundesgesetz beruhen, da er im Namen der Bundesrepublik Deutschland ausgestellt ist.

  8. Hallo Herr Kather!
    Ich habe eine Urgroßmutter, die aus Ostpreußen stammt. Ihr Mädchenname war Kather und sie hatte einen Bruder, der Franz hieß. Auf der Flucht hat sie zu vielen den Kontakt verloren (verständlicherweise). Nun würde ich irgendwie gern herausfinden, ob dieser Franz der Bruder meiner Urgroßmutter war. Könnten Sie sich per Email bei mir melden? Liebe Grüße aus Schleswig!

    • Hallo Frau Kühl,
      ja, meine Eltern und ich stammen aus Ostpreußen und ja, mein Vater heißt Franz aber dann wird das ganze schwierig.
      Mein Vater war von Geburt an katholisch, hat für meine Mutter die Konfession gewechselt, worauf seine Familie sich von ihm getrennt hat, daß heißt ich weiß von der Verwandtschaft meines Vaters so gut wie nichts.
      Sollte Ihre Großmutter meine Tante sein müßte sie katholisch sein und aus dem Ermland stammen und sie müßte 7 oder 8 Geschwister gehabt haben.
      Sollten Sie noch Fragen haben, meine e-mail Adresse erhalten Sie (falls verwandt Du) mit Sicherheit von Gerd Tams.

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